Hutter, Claus-Peter & Goris, Eva: Die Erde schlägt zurück. Wie der Klimawandel unser Leben verändert.

München: Droemer Knaur, 2009. 264 S. ISBN 3-426-27503-1. 25,00 Euro.

Deutschland und der Alpenraum im Jahr 2035: Unsere Welt ist nicht wiederzuerkennen. Drückende Hitze, Waldbrände, Wassermangel, eine Insektenplage biblischen Ausmaßes, Energieknappheit, politische Unruhen und Millionen von Klimaflüchtlingen – so sieht das Autorenduo Claus-Peter Hutter und Eva Goris im neu erschienen Buchreport „Die Erde schlägt zurück – Wie der Klimawandel unser Leben verändert“ unsere Zukunft.

„Wenn nicht viel entschiedener und schneller daran gearbeitet wird, die Klimaerwärmung zu begrenzen, wird sich auch das Leben bei uns in Deutschland von Grund auf verändern. Nichts wird so bleiben wie es war!“ So die Grundaussage von Claus-Peter Hutter und Eva Goris. Gestützt auf harte Daten und Fakten haben die beiden Autoren ein Szenario entworfen, wie es schlimmer kaum vorstellbar ist. Schon in wenigen Jahren – so die Autoren – könnte Strom rationiert sein, viele Menschen wären gezwungen, verseuchtes Wasser zu trinken und es könnten sich unheimliche Krankheiten ausbreiten. Hinzu kommen soziale Verwerfungen durch Millionen von Klimaflüchtlingen, deren Heimat in Afrika und Asien vom Untergang bedroht ist und die ihr Glück nördlich der Alpen suchen. Während im Osten Deutschlands riesige Flüchtlingslager entstehen können, geraten in Österreich und der Schweiz ganze Berge ins Rutschen. Hungersnöte drohen, Lebensgrundlagen werden zerstört. Für das Buch haben Hutter und Goris eine neue Form der Umweltliteratur entwickelt.

In einer gelungenen Mischung aus Facts and Fiktion wird in fiktiven Geschichten erzählt, was die Menschen im Deutschland des Jahres 2035 erwartet. Auf zwei Ebenen schildern die Autoren was uns bevorsteht, wenn die Klima-Katastrophe kommt: In szenischen Episoden aus dem Alltag der Menschen wird hautnah der Kampf ums Überleben im Jahr 2035 geschildert. Da ist die Ärztin Dr. Carolyn Petermann, die gegen eine geheimnisvolle Krankheit ankämpft. Sie weiß nur eines: Das Fieber wird durch eine Insekteninvasion ausgelöst. Oder die Familie Steinhuber, die bei einem Erdrutsch in den Alpen alles verliert und in ein Flüchtlingslager abtransportiert wird. Dort entdeckt Traudel Steinhuber das unwürdige Leben im Lager der Kinder. 2035 ist die Welt der Klimaflüchtlinge. Viele Millionen Menschen drängen nach Deutschland. Zahlreiche Unruhen, mangelnde medizinische Versorgung, Flüchtlingsbewegungen innerhalb Deutschlands und zerrüttete Wirtschafts- und Sozialsysteme gehören zum bedrückenden Alltag, in dem die radikale Gruppe der Klima-Killer gegen Ausländer Front macht und für Hass sorgt.

Faktenkapitel über Gletscherschmelze, Trockenheit, Hurrikane, Artensterben und die Einwanderung „exotischer Insekten“, die neue Krankheiten mit sich bringen, belegen, dass das Szenario nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Es ist ein Blick in die nahe Zukunft, in eine Zeit, in der die Folgen des Klimawandels in Deutschland und im Alpenraum mit aller Brutalität angekommen sein werden. Dabei haben die Autoren – beide ausgewiesene Experten in Sachen Umwelt – die wissenschaftlichen Daten des Weltklimarates für die fiktiven Teile des Buches zugrunde gelegt.

Schon morgen kann dieses Szenario Wirklichkeit sein. Übersichtlich aufbereitete wissenschaftliche Erkenntnisse informieren dazwischen eingestreut über die Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung. Dabei kommen auch Klima-Ikonen wie Al Gore, Klaus Töpfer und Hans Joachim Schellnhuber zu Wort. Wichtige Lösungsansätze werden mit namhaften Experten aus Wissenschaft, Industrie und Umweltschutz diskutiert.

Das Buch hebt sich schon im Hinblick auf Format und Ausstattung von anderen Büchern ab. Das künstlerische Konzept stammt von Eberhard Wolf, Art Director der Süddeutschen Zeitung. Die acht Zukunftsszenarien, welche zusammen ein romanartiges Buch im Buch bilden, sind ebenso wie der Buchtitel von Niels Schröder – der unter anderem für „Die Zeit“ und „Die Welt“ zeichnet - illustriert. Das Autorenduo belässt es nicht bei Zukunftsszenarien und ergänzenden Faktenkapiteln mit übersichtlichen Grafiken und Statistiken, welche das ganze Ausmaß der drohenden Klimakatastrophe deutlich machen. Ein Klimaschutz-Handbuch, ein Klima-ABC, Beispiele, die Mut machen sowie ein großes Klima-Glossar ergänzen das Werk ebenso wie ein umfangreicher Adressteil zu den unterschiedlichsten staatlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie den verschiedenen Verbänden, Institutionen und Organisationen, die sich mit Klimaschutz befassen. Die beiden Autoren befassen sich seit langem mit Fragen der Umweltvorsorge und der nachhaltigen Entwicklung.

Eva Goris ist Pressesprecherin der Deutschen Wildtierstiftung. Zuvor hat sie zwei Jahrzehnte lang das Umwelt-Ressort von Bild am Sonntag geleitet und erhielt für ihre Reportagen zahlreiche Medienpreise. Claus-Peter Hutter ist Präsident der Nachhaltigkeitsstiftung NatureLife-International und hat zahlreiche, zum Teil mit Preisen ausgezeichnete Umweltprojekte verwirklicht. Hauptberuflich leitet der Autor zahlreicher Publikationen zu Natur-, Umwelt- und Verbraucherthemen die Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg.
 
Maximilian Gege


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