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BARBARA SCHEITZ - ANDECHSER MOLKEREI SCHEITZ GMBH

Porträt der Preisträgerin als PDF | Portraitfoto zum Download | Foto von der Preisverleihung


Barbara Scheitz, Jahrgang 1965, ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Andechser Molkerei Scheitz GmbH. Seit 16 Jahren leitet sie Europas größte rein ökologisch wirtschaftende Bio-Molkerei.

Als Barbara Scheitz 2003 in einer Krisenzeit der Biobranche die Leitung des Betriebs von ihrem Vater Georg Scheitz übernahm, hatte sie ihre beruflichen Ausbildungen in Milchtechnologie und BWL mit Berufserfahrungen im In- und Ausland abgeschlossen. Der angetragenen Aufgabe stellte sie sich sofort – idealistisch engagiert für Biolandwirtschaft, Natur und Umwelt.

Was heute als der "ökologische Weg der Andechser Molkerei" gilt, beschreibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die in drei Jahrzehnten viele Impulse setzten, auch für den heute eigenständigen Biomilchmarkt in Deutschland. Denn als Öko-Pionier hat die Andechser Molkerei Scheitz immer wieder gezeigt, dass sich bei Einsicht und Respekt für ökologische Grenzen auch Ökologie und Ökonomie miteinander vertragen.

Die Kontinuität des ökologischen Engagements belegen markante Unternehmensdaten: 1997 erhielt die Andechser Molkerei als erste Molkerei Europas das Zertifikat "EU-Öko-Audit". Ab 1999 wurden Andechser Milchbauern, die noch konventionell wirtschafteten, von einer Umstellung auf Bio überzeugt. Nach 2003 erfolgte in allen Unternehmensbereichen die Ausrichtung der Molkerei auf Biomilchprodukte; das Credo lautete: "Natürliches natürlich belassen".

Alle Milchlieferanten gehörten inzwischen einem der ökologischen Agrarverbände Bioland, Naturland oder Demeter an. Die Hinzunahme neuer Milchbauernbetriebe und zusätzlicher Milchmengen machte eine Markterweiterung notwendig: Mit ihrem Appell "Bio für alle" setzte sich Barbara Scheitz nachdrücklich für Kooperationen im Lebensmitteleinzelhandel ein. Mit einer Transparenz-Offensive bei der Angabe sämtlicher Inhaltsstoffe in Andechser Milchprodukten setzte sie ihre Branche unter Zugzwang. Seit 2008 sind alle Andechser Produkte für die Kunden über das Internet rückverfolgbar: ein gutes Beispiel für eine offene Außenkommunikation von Nachhaltigkeitsthemen des Unternehmens.

Da die Öffentlichkeit inzwischen auch auf die Umstände der Lebensmittelerzeugung sensibel achtet, initiiert die Andechser Molkerei immer wieder Aktionen zur Direktkommunikation zwischen Verbrauchern und Biomilchbauern. So gibt es seit 2012 das Angebot der Kuhpatenschaften. Das Wohl aller Biomilchkühe ist Programm: Seit 2015 zahlt die Andechser Molkerei auf den vereinbarten Milchpreis einen – in Deutschland erst- und einmaligen – Zuschlag für Weidehaltung und honoriert so eine an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere orientierte Haltung und Fütterung.

Barbara Scheitz hat sich bei ihren Konzepten für nachhaltiges unternehmerisches Handeln früh an Vorgaben der UN-Agenda 21 orientiert, sich aber auch mit Denkmodellen wie der Biokybernetik von Frederic Vester und mit Friedensreich Hundertwassers Assoziationen und Interpretationen von Natur und Zivilisation beschäftigt. Mit den 2015 errichteten Molkerei-Neubauten im Hundertwasser-Stil mit Blumenwiesendächern, Regenwassernutzung und Biodiversitäts-Oasen wird die ökologische Grundüberzeugung der Andechser Molkerei auch in der Architektur deutlich.

Das 2016 in Betrieb genommene Hochregallager führte zu einer erheblichen Verbesserung der Andechser CO2-Gesamtbilanz. 2018 unterzog sich die Molkerei als eines der ersten Unternehmen der Lebensmittelbranche erfolgreich dem EMAS-III-Zertifizierungsprozess. Hierbei wurden in der Produktion Emissionsquellen identifiziert, um den CO2-Ausstoß bestmöglich zu minimieren. Bereits 2012 hat die Molkerei drei ihrer Produktkategorien prüfen und sie nach den strengen Anforderungen der "TÜV-Nord Certified Carbon Footprint Product Standards TN-CC 005", die den Standard der International Dairy Federation (IDF) erfüllen, zertifizieren lassen.

Ein Lastenmanagement optimiert nun die betriebliche Energieversorgung und Einsparungspotenziale – Verbesserungen im Kleinen wie Leitungsisolierungen oder LED-Beleuchtungen oder im Großen wie die Verlagerung der energieintensiven UHT-Erhitzung. Grundsätzlich bezieht die Andechser Molkerei Strom aus regenerativen Quellen, gleichwohl realisiert sie schrittweise ein Konzept betrieblicher Eigenversorgung mit Energie-Kaskadennutzung, Solarenergie und E-Mobilität.

Jährlich rund 130 Mio. kg Biomilch werden zu Andechser Produkten verarbeitet: ohne Gentechnik und frei von künstlichen Zusatzstoffen, Aromen oder Antibiotika. Für die Qualität ihrer Biomilchprodukte mit garantiert ökologischer Herkunft und Verarbeitung wird die Andechser Molkerei im In- und Ausland seit Jahrzehnten mit zahlreichen Gold- und Silbermedaillen, Erstplatzierungen bei Qualitätswettbewerben sowie öffentlichen Anerkennungen ausgezeichnet. Barbara Scheitz wurde 2015 in den neugegründeten "Sachverständigenrat für Bioökonomie Bayern" berufen, ihr verlängertes Mandat besteht bis 2021. Ihren steten Einsatz für eine zukunftsfähige ökologische Landwirtschaft, für Umwelt- und Naturschutz in Bayern würdigte die Bayerische Staatsregierung 2018 mit der Bayerischen Staatsmedaille.

Die Andechser Molkerei Scheitz GmbH stellt ausschließlich ökologisch erzeugte Milchprodukte her, setzt sich für die Nachhaltigkeit in der Lieferkette ein und fördert artgerechte Tierhaltung. Für ihr Engagement erhält Barbara Scheitz den B.A.U.M. | Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis 2019 in der Kategorie "Kleine und mittelständische Unternehmen".





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