Die Tagung
Ein starkes Netzwerk feiert Geburtstag

Im Jubiläumsjahr lag es nahe, die B.A.U.M.-Jahrestagung mit Preisverleihung in Hamburg stattfinden zu lassen, in der Stadt, in der vor 25 Jahren alles begann. Seit der Gründung des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management durch Dr. Georg Winter, Prof. Dr. Maximilian Gege und einen kleinen Kreis Hamburger Unternehmer im Jahr 1984 hat sich viel getan. B.A.U.M. e.V. ist heute mit gut 500 Mitgliedsunternehmen aller Größen und Branchen die größte Umweltinitiative der Wirtschaft in Europa. Und während sich vor 25 Jahren Wirtschaftsunternehmen und Umweltschützer noch als Gegner gegenüberstanden, gelten heute Umweltschutz und Nachhaltigkeit in weiten Teilen der Gesellschaft nicht mehr als Hemmnisse, sondern als Triebkräfte für wirtschaftlichen Erfolg. „Das Überwinden der Grenzen und alten Frontstellungen ist sicher auch ein Verdienst von B.A.U.M.,“ so formulierte es der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Ole von Beust in seiner Ansprache zur Verleihung des B.A.U.M.-Umweltpreises und des Internationalen B.A.U.M.-Sonderpreises 2009.
Energisch in eine nachhaltige Zukunft!

Doch zunächst begann die B.A.U.M.-Jahrestagung am Montag, dem 23. November 2009, nicht mit einem Blick zurück, sondern nach vorn: „Energisch in eine nachhaltige Zukunft!“, so lautete das Thema am ersten Veranstaltungstag im eindrucksvollen Börsensaal der Handelskammer Hamburg. Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk, der Präses der Handelskammer Hamburg Frank Horch sowie Prof. Dr. Maximilian Gege, Vorsitzender von B.A.U.M. e.V., begrüßten die gut 400 Gäste. Unter Moderation des ZDF-Journalisten Volker Angres stellten sich anschließend Rolf Friedhofen (Chief Financial Officer, Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG), Dr. Robert Gutsche (Mitglied des Vorstands, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft), Hubert Rhomberg (Geschäftsführer, Rhomberg Bau GmbH), Dr. Joachim Schneider (Vorstand, ABB AG), Ulrich Walter (Geschäftsführer, Ulrich Walter GmbH) und Andreas Wente (Vorsitzender der Geschäftsführung, Philips Deutschland GmbH) einer Diskussion zum Thema „Geschäftsmodell Klimaschutz – geht es überhaupt noch ohne Klimastrategie?“. Die Diskussionspartner waren sich darin einig, dass eine Klimastrategie und eine Nachhaltigkeitsstrategie allgemein für Unternehmen eine wichtige Basis der Geschäftstätigkeit bilden. Sie betonten, das Thema dürfe sich keinesfalls auf den Bereich des Marketings beschränken, sondern müsse die gesamte Wertschöpfungskette erfassen. Ulrich Walter forderte in der Schlussrunde einen Paradigmenwechsel von dem bisherigen reaktiven hin zu einem proaktiven Handeln. Auch Andreas Wente beschrieb das bisherige Verhalten der Unternehmen als zu zögerlich. Es sei notwendig, mutige Schritte zu tun und auch einmal Risiken einzugehen, um voranzukommen.
Ausgezeichnetetes Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit
Nach der Kaffeepause präsentierten die Laudatoren – unter ihnen zahlreiche ehemalige B.A.U.M.-Preisträger – die Preisträger des B.A.U.M.-Umweltpreises 2009. Die Jury hatte wieder in allen Kategorien herausragende Persönlichkeiten für den B.A.U.M.-Umweltpreis, der 2009 bereits zum 16. Mal verliehen wurde, ausgewählt: Franz

Fehrenbach (Robert Bosch GmbH) in der Kategorie Großunternehmen, Stephan Bode (Bio-Seehotel Zeulenroda GmbH & CO.KG), Dr. Stephan Hering-Hagenbeck (Tierpark Hagenbeck gGmbH), Friedhelm Hinsenhofen (LR Facility Services GmbH) sowie Harald Oelschlegel (DATEV eG) in der Kategorie Mittelständische Unternehmen, Hubert Weinzierl (Deutscher Naturschutzring) in der Kategorie Verbände, Carl A. Fechner (fechnerMEDIA GmbH) in der Kategorie Medien, Prof. Dr. Michael von Hauff (Technische Universität Kaiserslautern) in der Kategorie Wissenschaft und Felix Finkbeiner in der Kategorie Jugend überzeugten durch innovative Maßnahmen, entschiedenes Engagement und vorbildliche Ergebnisse zum Nutzen einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Träger des Internationalen B.A.U.M.-Sonderpreises, Fürst Albert II. von Monaco. Es war eine große Freude und Ehre für B.A.U.M. e.V. und für die Stadt Hamburg, dass das monegassische Staatsoberhaupt aus Anlass der Preisverleihung in die Hansestadt gereist war. Vor dem Festakt im prunkvollen Festsaal des Hamburger Rathauses trug sich Fürst Albert ins Goldene Buch der Stadt ein. Der B.A.U.M.-Vorsitzende Prof. Dr. Maximilian Gege betonte in seiner Begrüßungsrede vor rund 500 Gästen die Vorbildrolle von Fürst Albert II. und freute sich darüber, dass Fürst Albert nun dem renommierten Kreis von B.A.U.M.-Sonderpreisträgern – darunter Dr. Michael Otto, Prof. Dr. Klaus Töpfer, Peter Maffay oder Michael Stich – angehöre. Michael Stich beschrieb in seiner sehr persönlich gehaltenen Laudatio den engagierten Einsatz von Fürst Albert für die Erforschung des Klimawandels, die Biodiversität und eine nachhaltige Wasserversorgung. In seiner Rede bedankte sich Albert II. von Monaco anschließend für die erhaltene Auszeichnung und würdigte die Arbeit von B.A.U.M. e.V.: „In 25 Jahren haben sich Ihre Projekte den Respekt aller erworben, die für den Schutz der Erde kämpfen.“
Visionen für 2034
Fortgesetzt wurde das Programm der Jahrestagung anschließend mit einer Gesprächsrunde der Preisträger mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Katherina Reiche und weiteren Vorträgen. Eine Diskussionsrunde zu den gesellschaftlichen Verpflichtungen für eine nachhaltige Zukunft brachte zum Abschluss des Nachmittags ganz unterschiedliche Gesprächspartner zusammen: Maria Jepsen (Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck), Thomas Jorberg (Vorstandssprecher, GLS Gemeinschaftsbank eG), Heribert Karch (Geschäftsführer, MetallRente GmbH), Katherina Reiche (Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium), Andreas Streubig (Leiter Umwelt- und Gesellschaftspolitik, Otto Group), Sandra Völker (Vorstandsvorsitzende, Sandra-Völker-Stiftung) und Michael Wörtler (Vorsitzender, Saint-Gobain Isover G+H AG). In der Schlussrunde bat Moderator Sebastian Knauer (Der Spiegel) das Podium um eine Einschätzung der Situation im Jahr 2034, dem Jahr des 50. B.A.U.M.-Gründungsjubiläums. Heribert Karch äußerte in diesem Zusammenhang den Wunsch, dass nachhaltiges Investment, das heute als sog. Beimischung gelte, bis dahin zum Kern der Finanzströme werde und ein Unternehmen, das nicht nachhaltig wirtschafte, Probleme bekomme, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen.
Ein Vierteljahrhundert B.A.U.M. e.V.
Der Abend stand ganz im Zeichen von 25 Jahren B.A.U.M. e.V. Die rückblickenden Vorträge von Dr. Georg Winter, dem Gründungsvorsitzenden des Vereins, und Prof. Dr. Maximilian Gege, der die Arbeit von B.A.U.M. ein Viertel Jahrhundert lang zunächst als geschäftsführender Vorstand und dann, ab 2005, als Vorsitzender geleitet und entscheidend geprägt hat, wurden ergänzt durch Erinnerungen und Gratulationen von gesellschaftlichen Akteuren und Wegbegleitern, darunter Vertreter von Verbänden und Organisationen wie Eberhard Brandes (Geschäftsführer, WWF Deutschland), Dr. Helmut Röscheisen (Generalsekretär, Deutscher Naturschutzring e.V.) oder Edgar Endrukaitis (Programmleiter Umweltpolitik, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ GmbH), langjährige B.A.U.M.-Mitglieder wie Jürgen Schmidt (Vorstandssprecher, memo AG), Hans Taubenberger (Geschäftsführer, PDR Recycling GmbH + Co KG), Ulrich Walter (Geschäftsführer, Ulrich Walter GmbH) oder Bernd Wiederhold (Manager Legal Compliance, GEALAN Fenster-Systeme GmbH), aber auch Ludwig Karg, Geschäftsführer der ältesten Consulting-Gesellschaft innerhalb der B.A.U.M. Group, die von Prof. Dr. Maximilian Gege 1993 als Teil des B.A.U.M.-Netzwerks gegründet wurde.
Das begeisterte Publikum freute sich, den Abend mit einem exzellenten, unterhaltsamen Musikprogramm der beiden Ensemble Salut Salon und Bidla Buh ausklingen lassen zu können. Bereits den ganzen Tag über hatten unterschiedliche Künstler musikalische Akzente gesetzt und dafür viel Beifall geerntet: der Solo-Trompeter Gisbert Müller, die Singer-Songwriterin Graziella Schazad oder das Infiando Quartett, bestehend aus Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.
Energieeffizienz in Unternehmen
Der zweite Veranstaltungstag am 24. November 2009 fand im Rahmen des B.A.U.M.-Projekts „Betriebliches Energie-Effizienz-Programm“ B.E.E. als Fachtagung zum Thema „Energieeffizienz in Unternehmen“ statt. Dieses Qualifizierungsprogramm, das sich besonders an KMU richtet, stellte Johannes Auge (Geschäftsführer, B.A.U.M. Consult GmbH) in einem sehr fachkundigen Vortrag vor. Den Auftakt bildeten jedoch zunächst Beiträge aus politischer Perspektive: Achim Steiner, Executive Director der UNEP, bedankte sich in seiner Videobotschaft bei B.A.U.M. für die aktive Unterstützung seiner Arbeit im UN-Umweltprogramm. Nach Vorträgen der US-amerikanischen Generalkonsulin in Hamburg Karen E. Johnson und des Fachbereichsleiters Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien im Umweltbundesamt Dr. Harry Lehmann diskutierten Dr. Wolfgang Bloch (Leiter Referate Umweltschutz CT ES, Siemens AG), Ralph Kampwirth (Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, LichtBlick AG), Dr. Gerhard Knies (Aufsichtsratsvorsitzender, Desertec Foundation), Bernhard Schwager (Zentralabteilung Arbeits-, Brand- und Umweltschutz, Robert Bosch GmbH) und Jürgen Stotz (Präsident des Deutschen Nationalen Komitees des Weltenergierats) unter Leitung von Ludwig Karg Lösungsansätze für die Energieversorgung der Zukunft. Die Diskussionsteilnehmer betonten die Notwendigkeit von Energieeffizienz-Maßnahmen und von gezieltem Einsatz innovativer Technologien. Jenseits technischer Fragen verwies Dr. Wolfgang Bloch auch auf strukturelle wirtschaftliche Aspekte und forderte eine Abkehr von der Vorstellung, ein Unternehmen müsse in jedem Fall innerhalb von zwei Jahren einen „return on investment“ erhalten.
Eine weitere Diskussionsrunde mit Stefan Brumm (Leiter Unternehmensentwicklung, E.ON Hanse AG), Uwe Fritz (Leiter Strategisches Vertriebsmanagement, EnBW AG), Prof. Dr. Maximilian Gege, (Vorsitzender, B.A.U.M. e.V.), Prof. Dr. Hartmut Graßl (Direktor em., Max-Planck-Institut für Meteorologie), Klaus Jesse (Präsident, Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie-, und Umwelttechnik e. V.), Björn Klusmann (Geschäftsführer, Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.) und Dr. Harry Lehmann (Leiter Fachbereich Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien, Umweltbundesamt) setzte sich unter Moderation von Dr. Franz Alt mit dem Thema „Mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien vs. neue Großkraftwerke“ auseinander. Über die Notwendigkeit von Energieeffizienz-Maßnahmen herrschte Konsens, doch die Frage nach dem „richtigen Mix“ in der Energieversorgung und besonders die zukünftige Rolle der großen Energieversorger wurden kontrovers diskutiert.
Vorreiter zeigen: es geht!
Nach dem hervorragenden Mittagessen, das wie schon am Vortag aus der Küche des Bio-Catering-Unternehmens biond, einem Sponsor der Jahrestagung, stammte, zeigten zahlreiche exzellente Praxisbeispiele zu Energieeffizienz und Ressourcenmanagement, was alles möglich ist und von den Vorreitern auch schon umgesetzt wird. Dabei war die thematische Palette des Nachmittags sehr vielfältig und spiegelte so den Facettenreichtum des B.A.U.M.-Netzwerks wieder.
Uwe Bergmann (Leiter CSR/ Sustainability Management, Henkel AG & Co. KGaA) sprach unter dem Motto „Verantwortung, Chancen, Herausforderungen“ über Klimaschutz in einem Großunternehmen. Helmut Jäger (Geschäftsführer, SOLVIS GmbH & Co. KG) stellte Europas größte Nullemissionsfabrik und Matthias Willenbacher (Vorstand, juwi Holding AG) das energieeffizienteste Bürogebäude der Welt vor. Der Einzelhandel war vertreten durch Robert Heinemann (Geschäftsführer, ECE Projektmanagement G. m. b. H. & Co. KG) und Christian Lahrtz (Geschäftsführer, famila Handelsmarkt Kiel GmbH & Co. KG). Prof. Dr. Stefan Schaltegger (Leiter des Centre for Sustainability Management, Leuphana Universität Lüneburg) beschrieb aus wissenschaftlicher Sicht Ansatzpunkte für „Business Cases for Sustainability“. Über kirchliche Maßnahmen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit referierte Dr. Volker Teichert (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V.). Sehr eindrucksvoll war auch der Beitrag von Katja Kraus (Vorstand Marketing und Kommunikation, Hamburger Sport-Verein e.V.) über die Nachhaltigkeitsstrategie eines europäischen Spitzenvereins. All diese Beispiele müssen Schule machen!
Eine gelungene Tagung
Fazit der beiden äußerst informativen und anregenden Tage: Die B.A.U.M.-Jahrestagung war auch 2009 wieder Treffpunkt ganz unterschiedlicher Akteure aus dem Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit, darunter Vertreter von Unternehmen und Verbänden, Politiker, Wissenschaftler und Journalisten. Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der Arbeit von B.A.U.M. und bewerteten die motivierende Atmosphäre, die die gesamte Veranstaltung prägte, als außerordentlich positiv. Wie es ein Preisträger beim Treffen der Alt- und Neupreisträger bereits am Vortag der Jahrestagung formulierte: „Im Alltag fühle ich mich manchmal als Einzelkämpfer; wie schön, dass ich hier so viele Menschen treffe, denen nachhaltiges Wirtschaften wichtig ist, und dass wir alle an einem Strang ziehen.“
Zahlreiche Briefe und E-Mails mit Glückwünschen zu der gelungenen Veranstaltung gingen nach der Tagung in der B.A.U.M.-Geschäftsstelle ein. Aus Platzgründen seien hier nur einige wenige zitiert. Preisträger Dr. Stephan Hering-Hagenbeck beispielsweise schrieb in einem sehr freundlichen Brief an Prof. Dr. Maximilian Gege: „Weiterhin möchte ich Ihnen und Ihrem Team zu einer einzigartigen Veranstaltung gratulieren. Besser kann man es nicht machen!“ Auch Stefan Brumm (Leiter Unternehmensentwicklung, E.ON Hanse AG), der an einer der Podiumsdiskussionen teilgenommen hatte, äußerte sich sehr positiv: „Es hat mich gefreut, an Ihrer gut organisierten, erfolgreichen Veranstaltung teilgenommen zu haben, und es hat mir Spaß gemacht, Ihnen und Ihren Gästen mit einem Sachvortrag Informationen zu vermitteln.“ Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth-Stiftung, lobte vor allem den Festakt im Rathaus: „Es ist Ihnen gelungen, eine großartige Geburtstagsveranstaltung zu organisieren! Besonders beeindruckt war ich natürlich von der Preisverleihung im Hamburger Rathaus, die auch thematisch Orientierung für alle teilnehmenden Unternehmen gegeben hat.“
Für den Vorstand und die Mitarbeiter von B.A.U.M. ist dies ein schönes Lob und die Bestätigung, dass das Netzwerk mit seiner Arbeit durchaus Wichtiges leistet.