B.A.U.M.-Arbeitskreis "Klimastrategien in Unternehmen": Klimaschutz und Green IT

13.5.2009, Nürnberg

Green IT ist praktizierter Klimaschutz! Darüber waren sich die Teilnehmer des Arbeitskreises „Klimastrategien in Unternehmen“ schnell einig, zu dem B.A.U.M. e. V. am 5. Mai bei seinem Mitgliedsunternehmen DATEV in Nürnberg eingeladen hatte.
Schon das Beispiel des Gastgebers zeigte das Potenzial für Green IT auf: Jeden Monat werden über DATEV 9,7 Millionen Lohnabrechnungen erstellt. Dafür sorgen nicht nur die über 5000 DATEV-Mitarbeiter, sondern auch rund 2700 Rechner, wie Lothar Lux, Leiter Produktion und Geschäftsführungsmitglied der DATEV, betonte. In Summe werden hier ca. 40.000 MwH Energie p.a. verbraucht. Schließlich laufen die Rechner rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr.

Weltweit erzeugt die Informations- und Kommunikationstechnik rund 2 % aller Co2-Emissionen – etwa soviel wie die gesamte Luftfahrt. Für die DATEV ist Green IT jedoch aus ganz betriebswirtschaftlichen Gründen zwingend: Steigende Rechnerleistungen und steigende Strompreise sind ökonomischer Ansporn für Energieeffizienz! Auch die räumlichen Ressourcen sowie die Möglichkeit, Rechnerwärme wieder abzuführen, sind begrenzt.

Hierzu demonstrierte Harald Oelschlegel, seit 1996 DATEV-Umweltbeauftragter, eine pfiffige Lösung: Um Verwirbelungen und damit Ineffizienzen zu vermeiden, werden die Rechnerblöcke eingekapselt. Die Kühlungsluft kann so perfekt durch die Rechneranlagen strömen – das spart Energie und Geld. Immerhin muss etwa 1/3 der Energie für Kühlzwecke aufgewendet werden. So sei es der DATEV gelungen, Rechnerleistung und Stromverbrauch deutlich voneinander zu entkoppeln, bei den Plattenspeichersystemen um stolze 76 % pro TB. Hinsichtlich seines Rechenzentrums sei DATEV sehr gut aufgestellt, so eine aktuelle Untersuchung von IBM.

Doch auch die 5000 Büroarbeitsplätze bei der DATEV werden in die Effizienzziele aufgenommen. Der Ersatz von 19''-Bildschirmen mit 90 kWh Stromverbrauch durch solche mit nur noch 40 kWh sparte allein 400.000 € p.a. ein. Durch den verstärkten Einsatz von Blade-Technologie und ThinClients sollen weitere deutliche Energieeinsparungen ermöglicht werden. Die Migration der herkömmlichen TK-Technik zu Voice via IP-Technologie-Systemen bringt da viel: In 2005 wurden die bis dahin 14 Systeme auf vier Hauptsysteme reduziert. Dadurch konnte der jährliche Energiebedarf um ca. 48 % - von 613.000 kW/h auf 298.000 kW/h - reduziert werden. Aber nicht nur die Rechner sollen virtuell arbeiten, sondern auch die Mitarbeiter: zunehmend sollen Reisen durch Videokonferenzen ersetzt werden, wofür noch verstärkt bei den Mitarbeitern geworben werden soll. Auch über den Einsatz von klimafreundlichem Ökostrom werde nachgedacht.

Bei der DATEV wird Umweltschutz übrigens nicht nur bei der Datenverarbeitung praktiziert. Harald Oelschlegel hat sich erfolgreich auch um Solaranlage und Blockheizkraftwerk, Umweltmanagementsystem und Nachhaltigkeitsbericht gekümmert und ein sehr erfolgreiches Anreizsystem zur Wahl umweltverträglicherer Firmenfahrzeuge initiiert.

Einen hochinteressanten Tipp nicht nur für die DATEV, sondern auch die anderen Arbeitskreis-Teilnehmer hatte Felix Meirich von BSK Service parat: Während andere auf ThinClients setzen, propagiert er „ZeroClients“ und brachte auch gleich einen dieser Wunderkästen zur Anschauung mit. Dessen ökologische Vorteile können sich sehen lassen: 69-73% weniger Gewicht; 80-89% weniger Transportvolumen, weniger Elektroschrott und bis zu 70% weniger Stromverbrauch und CO2-Emissionen. So liegt denn die CO2-Emissionen bei 100 virtualisierten Servern auf 5 Host-Systemen um 15,7 Tonnen p.a. niedriger als bei üblichen Büro-PCs, außerdem würden jährlich über 4.200 € Kosten eingespart.

Um Kostenbeisparpotenziale im Büro systematisch zu erschließen, hat RICOH ein sehr erfolgreiches Serviceprodukt entwickelt: der Check 1 = 1 Pay per page green hilft dabei, ein nachhaltiges Sparkonzept zu erarbeiten, wie Mike Hahm am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens mit 650 Büroarbeitsplätzen und Einsparungen von gut 12.000 € veranschaulichte.

Übrigens: der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITCOM) will die Kosten-Nutzenbilanz der ITK- Technik nicht auf den Stromverbrauch der ITK-Geräte/-systeme beschränkt sehen. Schließlich würden an anderer Stelle durch den Einsatz von ITK-Technik – z. B. im Bereich der Energieregeltechnik - ein Vielfaches an Energieeinsparung wieder realisiert, betonte Isabel Richter, Referentin Umwelt und Nachhaltigkeit bei BITCOM. Dennoch sei natürlich die Verbesserung der Ressourcen- und Energieeffizienz eine Daueraufgabe in ihrer Branche. So trage z.B. die Miniaturisierung (z.B. bei Mobiltelefonen) zur Ressourcenschonung bei. Dass bis zu 76 % Energieeinsparung möglich ist, zeigt BITCOM durch ein Musterbüro, das ein typisches Büro des Jahres 2003 mit einem Büro aus 2008 mit optimaler Geräteausstattung und Powermanagement vergleicht.

Für die Deutsche Telekom stellte Claudia Schwab, Leiterin Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung, die vielfältigen Telekom-Aktivitäten vor, durch Green IT einen Beitrag zur Nachhaltigkeit bei der eigenen Umweltleistung, aber auch bei den Kunden zu leisten, z.B. durch Rechnung online oder den elektronischen Anrufbeantworter T-Netbox. Die Nutzung von Brennstofftechnologien und der Einsatz von Ökostrom machen bei der Telekom sogar Wunder möglich: „Unsere Rechner fressen sogar Grünzeug“, formulierte Claudia Schwab stolz.

 
Hier finden Sie die Beiträge zum Arbeitskreis im PDF-Format:

Lothar Lux, Mitglied der Geschäftsleitung DATEV eG: Klimaschutz und Green IT

Dieter Brübach, B.A.U.M. e. V.: Klimaschutz im Büro

Harald Oelschlegel, DATEV eG: Energieeffizienz in der IT bei der DATEV

Isabel Richter, Referentin Umwelt & Nachhaltigkeit, BITKOM: Green IT im Büro

Mike Hahm/Linda Lemke, Ricoh Deutschland GmbH: 1=1 Pay per page green – das nachhaltige Sparkonzept

Claudia Schwab Leiterin Umweltschutz und Nachhaltige Entwicklung, Corporate Responsibility, Deutsche Telekom: Green IT in der Praxis

Felix Meirich, BSK Service: Stromsparlösung für Personal Computer

 
 




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